20 Jahre Provenienzforschung | Internationale Tagung am Technischen Museum Wien am 23. und 24. 10. 2018

 

„Heute ist Krieg und da ich mitten drin bin, werde ich euch alles schildern…“

Das Technische Museum Wien restituierte 2009 und 2016
1.200 ungelesene Briefe aus eine ukrainischen Postamt an die Ukraine. Im Zuge eines Forschungsprojekts des „Nationalen Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg“ konnten fast 600 Nachkommen ausgeforscht werden.

Nähere Infos zur Veranstaltung: https://www.technischesmuseum.at/event/20-jahre-provenienzforschung

 

Restitution nach 80 Jahren: Das Technische Museum Wien gibt Musikinstrumente aus der Wiener Musikhandlung Theodor Sternberg zurück.

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Nach intensiven Recherchen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien konnte der Sohn von Theodor Sternberg in den USA gefunden werden. 18 Musikinstrumente aus dem Technischen Museum Wien, die während der NS-Diktatur „arisiert“ wurden, konnten dadurch an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden.

Der 1892 in Budapest geborene Theodor Sternberg betrieb in den 1930er-Jahren in der Gumpendorfer Straße 109 ein Musikinstrumentengeschäft. 1936 stellte er dem Technischen Museum Wien verschiedene Musikinstrumente, darunter eine Oboe, eine Mandoline, eine Laute und acht Geigen mit Bögen, für die damals neu konzipierte Dauerausstellung „Musik“ als Leihgaben zu Verfügung. Sein Geschäft, die „Europa-Musikinstrumenten-Gesellschaft“, wurde nach dem „Anschluss“ 1938 arisiert. Theodor Sternberg gelang die Flucht in seine Geburtsstadt Budapest. Von dort emigrierte er schließlich – noch rechtzeitig vor Kriegsausbruch – in die USA. Sein Wiener Geschäft übernahm ein von den Nationalsozialisten eingesetzter „kommissarischer Verwalter“, der die „Arisierung“ vorbereitete und die Geschäftstätigkeit fortführte. Sternberg hatte auch an Privatpersonen Musikinstrumente verliehen, die der „kommissarische Verwalter“ nun zurückverlangte oder ihnen zum Kauf anbot. So nahm er auch mit dem Technischen Museum Kontakt auf und verlangte den Ankauf oder die Rückstellung der Musikinstrumente Sternbergs. Das Kaufangebot – ein „Pauschalpreis von RM 160“ – wurde vom Technischen Museum Ende Dezember 1938 angenommen und somit wurden die 18 Musikinstrumente um weniger als ein Drittel des tatsächlichen Wertes erworben. In weiterer Folge verkaufte die für Arisierungen zuständige NS-Vermögensverkehrsstelle Sternbergs Geschäft an die Klavierfabrikationsfirma Rudolf Reisinger. Nach Kriegsende bemühte sich Theodor Sternberg um die Rückstellung seiner ehemaligen Musikalienhandlung in Wien. Er lebte weiterhin in den USA und verstarb im November 1979 in Norfolk, Virginia. 2007 entschied der Kunstrückgabebeirat in Wien, die Instrumente an die Erben Sternbergs zurückzustellen. Nach jahrelanger erfolgloser Suche konnte schließlich sein Sohn von der Israelitischen Kultusgemeinde in den USA gefunden werden. Im April 2018 wurden die Musikinstrumente in die USA überstellt, wo sie Herr Sternberg, der selbst Musiker ist, übernahm.

Die Instrumente waren Teil der Sonderausstellung „Inventarnummer 1938“, die sich seit 2015 mit dem Thema Provenienzforschung am Technischen Museum Wien auseinandersetzt und die sich zum Ziel gesetzt hat, sich selbst aufzulösen – durch die Klärung aller offenen Provenienzfälle des Museums. Seit der Verabschiedung des Kunstrückgabegesetzes im Jahr 1998 durchforstet das Technische Museum Wien seine Bestände auf NS-Raubgut. Damit ist es weltweit eines der wenigen Technikmuseen, die systematisch und kontinuierlich Provenienzforschung betreiben. Über 97.000 Objekte, Bücher und Archivalien wurden bereits auf ihre Herkunft überprüft. Mehrere hundert Objekte konnten als NS-Raubgut identifiziert werden. Trotz der schwierigen Erbensuche konnten mittlerweile 10 der bisher 16 identifizierten Restitutionsfälle mit der Rückgabe oder dem Ankauf der Objekte abgeschlossen werden.

Christian Klösch

Video über die Restitution der Musikinstrumente Sternberg

 

Die Herbsttagung des Arbeitskreis Provenienzforschung e.v. am Technischen Museum Wien vom 15.- 17. November 2017

Der Arbeitskreis Provenienzforschung e.V, ist eine Vereinigung von ProvenienzforscherInnen aus Mitteleuropa. Mitte November 2017 kamen über 140 ExpertInnen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, den USA, Großbritannien und den Niederlanden zu einer dreitägigen Tagung an der Albertina und am Technischen Museum Wien zusammen. Das Organisationsteam um Leonhard Weidinger (Provenienzforschung MAK, Vorsitzender des Arbeitskreis Provenienzforschung), den Provenienzforscherinnen der Albertina, Pia Schölnberger und Julia Lenz und des Technischen Museum Wien, Christian Klösch waren für das Tagungsprogramm verantwortlich. Die Tagung stand unter dem Schwerpunkt „20 Jahre Washingtoner Erklärung zu Provenienzforschung“ und widmete sich dem Forschungstand in Österreich und Deutschland im Vergleich.

Der zweite und dritte Tag stand im Technischen Museum ganz unter dem Motto „Provenienzforschung in Nichtkunstmuseen“. Die Vortragenden beschäftigten sich dabei mit den spezifischen Herausforderungen der Provenienzfoschung, in naturwissenschaftlichen und ethnografischen, Münzsammlungen oder technischen Sammlungen.

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Die Ausstellungseröffnung Singer am 3. Oktober 2017

Zur Eröffnung kamen Nachkommen von Leopold Singer aus Israel und Kroatien nach Wien. Im Rahmen der Veranstaltung restituierte die Wirtschaftsuniversität Wien ein kürzlich entdecktes Buch aus dem ehemaligen Eigentum von Martin Singer – dem Bruder von Leopold Singer – an seine nun in Australien lebenden Verwandten. Die Ausstellung wurde durch eine Unterstützung des „Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus“ ermöglicht.